Die Sache mit den Krankheiten


Seit einem Jahr sehe ich meine Mutter nur noch sehr unregelmäßig. Seit meinen Umzug in ein anderes Bundesland, beschränkt sich der Kontakt ausschließlich über das Smartphone, genauer über Whatsapp. Ich war bisher drei Mal in meinem alten Wohnort und besuchte währenddessen auch meine Mutter. Die Besuche dauerten nie länger als anderthalb Stunden. Sie erzählt nur von sich, ihren körperlichen Leiden und irgendwann schwirrt mir der Kopf und ich muss gehen.

Sie schreibt mir sehr oft Nachrichten und erzählt, welche Schmerzen sie jetzt wieder hat und welcher Arzt, was für Vermutungen aussprach. Mittlerweile kann ich nicht mehr auf diese Info´s eingehen, denn ich weiß, dass sie garnicht so ein "Invalide" ist, wie sie meint zu sein. Aber mit dieser Masche hat sie bisher immer viel erreichen können. Frührente, Schwerbehindertenausweis, Haushaltshilfen etc.

Keine Frage, meine Mutter hat ihre Einschränkungen. Mit dem Alter und nach Jahren mit Übergewicht, schmerzen irgendwann die Knochen. Das es mit der Psyche auch nicht einfach ist, ist mir bewusst. Sehr sogar. Das man mal Schmerzen im Rücken hat...natürlich. Kommt vor. Aber das Verdacht auf Parkinson besteht, weil man ein Restless-Leg-Syndrom hat und man soviel vergisst?! Naja, Mama, du hast psychische Erkrankungen, die nicht behandelt werden. Da kommt es irgendwann zu stressbedingten Symptomatiken wie Vergesslichkeit und Unruhe. Und nein, das wird nicht nur mit Medikamenten besser.

Eine Ärztin hatte den Nagel auf den Kopf getroffen. "Sie sollten sich bitte überlegen, einen stationären oder teilstationären Aufenthalt in einer psychatrischen Klinik in Erwägung zu ziehen. Ich kann Ihnen nicht immer stärkere Medikamente verschreiben." Meine Mutter war stinksauer auf die Ärztin und war empört über ihren Ratschlag. Und das ich der Ärztin Recht gab war wieder ein Grund, um mich anzugreifen.

Ich habe oft ein schlechtes Gewissen, dass ich vieles, was ich höre oder lese nicht ernst nehmen kann. Ich denke mir:"...und was ist, wenn es doch so ist?" Zum Glück vergeht der Gedanke inzwischen auch schnell wieder. Ich denke dann an den Rollator, denn sie bekommen hat. Sie sagte mir vor einigen Monaten stolz, dass sie nun einen höheren Toilettensitz und einen Rollator bekommen hat. Der Rollator steht im Keller und verstaubt! Weil sie ihn garnicht benötigt.

 

 

19.8.15 16:41

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